Josefine Beck

Mein Blog rund um das Reisen und den eigenen Weg.
Portugal | Reisen

Wenn alles anders kommt als gedacht – auf nach Portugal!

Januar 4, 2019

Es ist der 2. Januar 2019. Der große Reiserucksack für 4 Wochen Marokko ist gepackt – für Wüste, Strand und orientalische Städte. Den Hinflug nach Marrakesch hatte ich schon vor ein paar Monaten gebucht, dafür hab ich noch keinen Rückflug. Das ergibt sich dann unterwegs. Aber das Hotel für die ersten 4 Nächte ist schon gebucht, denn Britta wird mich die ersten Tage begleiten. Sie kommt aus Düsseldorf, ich aus Berlin. Ich steige pünktlich um 9:14 Uhr in Schwerin in den Zug, um kurz nach 11 Uhr am Flughafen zu sein – schön 2 Stunden vor Abflug um 13:15 Uhr. Und dann kommt alles anders…

Noch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es auf der Zugstrecke plötzlich einen Personenschaden. Die Strecke ist ab jetzt erst einmal voll gesperrt. Ich sitze auf dem kleinen Bahnhof von Ludwigslust fest und gehe fieberhaft meine Optionen durch. Es ist mittlerweile 10 Uhr, also noch knapp über 3 Stunden bis zum Abflug. Und ich bin knapp 185 km vom Flughafen entfernt. Da muss doch was gehen. Erste Option: dieser Zug wird umgeleitet. Ich bleibe also im Warmen sitzen und warte auf Infos. Die Infos, die dann folgen, finde ich aber nicht so gut: der Zug muss die Strecke großräumig umfahren, sodass wir nach der Prognose um 14 Uhr in Berlin wären. Aber immerhin fährt der Zug zuerst zurück über Schwerin. Dann könnten mich meine Eltern wahrscheinlich fahren. Ich bleibe also weiter sitzen. Kurz bevor der Zug losfährt kommt dann noch eine – für mich essentielle – Information: der Zug fährt zwar ÜBER Schwerin, hält da aber nicht an. Also schnappe ich mir meine Sachen und springe raus. Mittlerweile ist es 10:20 Uhr.

Nächste mögliche Option: ich warte auf einen anderen Zug und hoffe, dass mich entweder doch noch einer pünktlich nach Berlin oder wenigstens zurück nach Schwerin bringt. Durch Zufall höre ich aber, dass die Strecke nicht vor 12 Uhr freigegeben wird. Also fahren bis dahin keine Züge, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Meinen Flieger um 13:15 Uhr zu erwischen wird also mit dem Zug heute nicht möglich sein.

Nächste Option: mit dem Taxi. Mittlerweile ist es 10:30 Uhr. Wenn ich JETZT ein Taxi finden würde (Spoiler: Ludwigslust hat einen Taxistand, an dem kein einziges Taxi steht) könnte ich mit etwas Glück eine halbe Stunde vor Abflug in Tegel sein. Ganz abgesehen davon, dass mich das wohl ein Vermögen kosten würde und mir laut der netten Frau am Bahnschalter nur mit sehr viel Glück die Kosten erstattet werden würden („mh also, sie könn’s ja mal probieren, klappt glaub ich nicht aber ich geb ihnen mal ein Formular“), wäre das Timing doch sehr sehr knapp. Britta und ich telefonieren ständig, denn sie ist natürlich gerade auch auf dem Weg zum Flughafen. Es scheint ausweglos – ich werde den Flieger verpassen. Da ich mich vorher schon vorbildlich eingecheckt habe, kann ich weder umbuchen noch bekomme ich etwas vom gezahlten Geld zurück. Ist mir aber gerade auch egal, denn meine Mission ist es momentan noch, heute nach Marokko zu fliegen.

Nächste Option: ein anderer Flug. Der nächste Flug von Berlin nach Marokko wäre abends – erst nach Casablanca, da eine Nacht bleiben und am nächsten Morgen weiter nach Marrakesch, für noch mal 250 Euro plus Hotel. Puh. Das ist sowohl ganz schön viel Geld als auch Aufwand und gefühlt ist Britta dann schon wieder auf dem Rückflug… Wir telefonieren also wieder und entscheiden uns, die gemeinsamen Tage in Marokko abzusagen. Sie wird ohne mich auch nicht fliegen. Total schade, aber wir sehen keine Möglichkeit, wie ich ohne enormen Mehraufwand in den nächsten 24 Stunden nach Marrakesch komme.

Ab jetzt sitze ich entspannt in der kleinen Wartehalle in Ludwigslust. Andere Wartende, mit denen ich mich unterhalte, lachen über meine gute Laune und bewundern meine Gelassenheit. Sie ärgern sich schon, dass sie jetzt ein paar Stunden später aus dem Urlaub zurück nach Hause kommen. Ich hoffe, ich kann sie ein wenig inspirieren. Ich habe in der letzten halben Stunde alles versucht, was mir einfiel und keine Möglichkeit gefunden. Dann ist es so und auch echt okay. Denn was ist schon groß passiert? Etwas Geld ist weg und Britta und ich müssen noch ein wenig auf unsere nächste gemeinsame Reise warten. Das war’s. Und mal ehrlich: ich wollte in einen langen Urlaub starten. Also nichts, wovon ein auch nur irgendetwas abhängt.

Da ich jetzt schon mal unterwegs bin, entscheide ich mich, weiterhin mit dem nächstmöglichen Zug nach Berlin zu fahren. Ich schaue schon mal, wohin ich heute oder morgen sonst noch so von Berlin aus fliegen könnte. Am nächsten Tag gibt es einen günstigen Flug nach Porto. Klingt gut! Nach Portugal wollte ich auch schon immer mal und wärmer als in Deutschland ist es dort momentan auch. Also, warum nicht? Ich kann die eine Nacht in Berlin spontan bei meiner lieben Cousine übernachten, bekomme abends sogar noch ein kleines Wellnessprogramm und werde am nächsten Morgen zum Flughafen gebracht. Na dann… auf nach Porto!

Keine Ahnung, wie lange ich da bleiben werde. Ob und wie ich dann weiterreise. Ob ich verschiedene Länder sehe. Das ist aber jetzt auch nicht wichtig. Ich habe ein neues Reiseziel und kann es kaum erwarten, es zu erkunden. Alles andere wird sich unterwegs wie von allein ergeben. Ich freue mich drauf. Los geht’s!

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