Josefine Beck

Mein Blog rund um das Reisen und den eigenen Weg.
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Wenn Träume wahr werden – die Wanderung zum Machu Picchu

Juli 3, 2018

Endlich endlich endlich. Nach 10 Wochen Reise durch Südamerika kam ich an mein Traumziel: Machu Picchu.

Es gibt verschiedene Wege zur verschollenen Inkastadt zu gelangen: der alte Inkaweg, eine Wanderung über 4 Tage. Alternative Wanderungen wie der Salkantay oder der Lares Trek, die über 5 bzw. 4 Tage gehen. Der Dschungelweg, der für Abenteuerlustige nicht nur wandern, sondern auch Mountainbiken, Ziplining und ähnliches beinhaltet. Die Anreise per Bus und Zug und wieder Bus, bis man am Eingang ist. Für jeden ist also etwas dabei.

Ich hatte von Zuhause aus den Salkantay Trek gebucht. Viele Leute, die ich auf meiner Reise traf, gingen genau diese Weg. Und jeder sagte das gleiche: es wäre zwar unglaublich anstrengend, aber jede Minute wert. Allerdings gab es für mich dann doch 2 Haken: erstens ging es am 2. Tag bis auf 4.600 m rauf – leider spürte ich auch nach 3 Wochen über mindestens 2.500 m noch die Atemnot bei jedem Treppensteigen deutlich. Und zweitens könnte ich das Trekking nicht mit Rike zusammen machen und so Machu Picchu nur ohne sie erleben. Also entschied ich mich gegen das Erlebnis Salkantay. Und wir fanden die perfekte Alternative: den kurzen Inkaweg, bei dem wir auf halben Weg aus dem Zug springen und einen ganzen Tag durch die wundervolle Landschaft wandern sollten.

Die Wanderung auf dem Inka Trail

Morgens um 5 trafen wir uns mit unserem Guide und dem Rest unserer Wandergruppe in Cusco. Insgesamt waren wir 7 Leute: 3 unglaublich sympathische Mädels aus Hong Kong, unser Guide Jose und Tim, Rike und ich. Müde grüßten wir uns alle freundlich, stiegen in unseren Bus und fuhren 2 Stunden nach Ollantaytambo. Aus diesem kleinen Ort fahren alle Züge in Richtung Aguas Calientes ab. Aguas Calientes liegt am Fuße der Inkastadt Machu Picchu. Unser Touristenzug hatte riesige Fenster und es gab Essen und Trinken. Wir wurden also vor dem Aufstieg noch einmal verwöhnt. Auf halber Strecke nach Agua Calientes hielt der Zug und wir sprangen raus. Bei Kilometer 104 begann unsere Wanderung.

Machu Picchu liegt auf knapp 2.700 m Höhe. Unser Stopp auf 2.000 m. Wir würden also in den nächsten Stunden 700 Höhenmeter überwinden müssen. Cusco lag zwar deutlich höher, aber ich hatte dennoch noch immer Probleme mit der Atmung, sobald es bergauf ging. Quennie, einer der Mädels aus Hongkong, ging es genauso und so bildeten wir bald zusammen mit dem Guide unsere eigene kleine Reisegruppe. An den kleinen Hütten trafen wir dann die anderen 3 wieder. Tim bekam gleich zu Anfang von Jose den Spitznamen „Speedy Gonzales“, weil er einfach verschwand und wir ihn erst nach 3 Stunden wieder trafen. Super, dass jeder in seinem eigenen Tempo den Weg gehen konnte. Da Quennie deutlich weniger Eingewöhnungszeit in der Höhe hatte war ich dann doch ein wenig schneller als sie und so hatte ich Teile der Wanderung komplett für mich. Ein unglaubliches Erlebnis.

Machu Picchu ist eigentlich der Name des Berges. Die verschollene Stadt wurde dann auch einfach so genannt. „Machu Picchu“ bedeutet in der Sprache Quetchua „alter Berg“, zumindest wenn es korrekt ausgesprochen wird – „Matschu Piktschu“. So, wie wir es aussprechen, also „Matschu Pitschu“, würde es „alter Penis“ bedeuten. Das erzählte uns unser Guide und schüttelte jedes Mal den Kopf, wenn jemand von uns versuchte, es irgendwie auszusprechen.

Auf dem Weg zur Inkastadt gab es einige Ruinen und alte Inkadörfer, die in die Berge gebaut wurden. Auch der Pfad, auf dem wir wanderten, war der echte Weg, den die Inkas angelegt hatten. Wir spürten also die Geschichte dieses Landes und dieser Dynastie mit jedem Schritt.

Nach fast 7 Stunden war das Ziel zum Greifen nah: das Sonnentor, durch welches wir schreiten und den ersten Blick auf Machu Picchu werfen wollten. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Alles hatte sich gelohnt, alles machte Sinn, alles sollte so sein, wie es war. Ich war da. Es war geschafft. Dieser magische Ort lag uns zu Füßen.

Jetzt ging es noch knapp 45 Minuten bergab und wir waren da. Ich hatte es wirklich geschafft. Meinen Traum erfüllt. Dieser magische Ort ist in Wirklichkeit noch schöner als die Postkartenmotive vermuten lassen. Völlig erschöpft und mindestens genau so ergriffen setzte ich mich erst einmal allein an einen der Aussichtspunkte. Mir liefen die Tränen über die Wangen. Wenn Träume wahr werden, ist für einen Moment einfach alles möglich.

Nach dem Sonnenuntergang fuhren wir das letzte Stück nach Aguas Calientes mit dem Bus. Unser Abendessen verbrachten wir 7 fast schweigend, weil wir alle komplett kaputt vom Tag waren. Dann ging es in die Hotels. Der nächste morgen wartete bereits.

Sonnenaufgang über Machu Picchu

Am nächsten Morgen stellten wir uns um 4:30 Uhr in die Schlange, die auf die Busse wartete. Die ersten Busse fuhren erst eine Stunde später und doch waren schon so viele Leute vor uns da, dass wir erst in den 8. Bus passten. Ein Glück waren wir am Vorabend schon oben und konnten ein ziemlich menschenleeres Weltwunder erleben, denn heute würde es doch deutlich voller werden. Für den Sonnenaufgang fanden wir einen wundervollen Ort und warteten und warteten. Irgendwann kamen dann die Sonnenstrahlen durch und die Magie nahm ihren Lauf. Die Inkastadt heute von der anderen Seite beleuchtet zu sehen war wieder ein ganz anderes Erlebnis. Nach dem Sonnenaufgang wanderten wir 2 Stunden mit der Gruppe durch die Ruinen, während uns Jose viel von der Geschichte dieser Stadt erzählte. Überall gab es wunderschöne Fotomotive, daher kamen wir nur langsam voran – aber es lohnte sich für uns alle.

Dann verabschiedete sich Jose von uns und wir hatten noch ein paar Stunden für uns. Rike und Tim wanderten noch zur Inkabrücke, eine direkt in den Felsen eingelassene Brücke. Da ich immer noch sehr kaputt war vom Tag davor und mir unbedingt „meine“ Zeit für diesen unglaublichen Tag nehmen wollte, suchte ich mir eine Ecke, in der ich ungestört war. Dort schaute ich wieder einige Minuten lang voller Dankbarkeit auf diese wunderschöne Kulisse, meditierte in dieser unglaublich kraftvollen Umgebung und sog einfach alles ein.

Mein Meditationsort.

Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Erlebnis so ergreift. Wir kennen wahrscheinlich alle schon tolle Bilder von Machu Picchu – also wie viel schöner kann es noch werden? Es kann so viel schöner werden. Die Energie dieses Ortes. Die Geschichte der Ruinen. Die Berglandschaft als atemberaubende Kulisse. Und dazu meine ganz persönlichen Gefühle – das Erfüllen eines Traumes. Das Zurückblicken auf 2 1/2 Monate voller Wunder. Die Zukunft, die vor mir liegt. Alles fügte sich hier zusammen und zeigte mir, dass alles möglich ist. Dass Träume nie zu groß sein können. Und dass Vertrauen in den eigenen Weg alles ist, was es braucht. Und viel Liebe. Und ein bisschen Mut.

 

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